Der Weg in die Öffentlichkeit

von | 29. April 2021 | Gründung

Ein kleiner Einblick in die Gründung eines Demokratiecafés

Ich klicke mich durch die verschiedenen Bewertungsfelder, nachdem wir die Rückmeldung zum Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg bekommen haben, und lese, „Es ist einer der besten Businesspläne, die mir nicht nur im BPW, sondern in meiner gesamten langen beruflichen Laufbahn untergekommen ist.“ Mein Herz klopft, ich klicke zurück, öffne die zweite Bewertung und lese, „Hätte ich als Juror nicht die Aufgabe den gesamten Businessplan durchzuarbeiten, hätte ich nach der Zusammenfassung nicht weiter gelesen.“

Gründen ist nicht leicht. Das ist ein ,no-brainer‘, wie es im Jargon heißt – eine evidente Sache, etwas, über das man nicht nachzudenken braucht. Klar, gründen ist nicht leicht, aber ich hätte zu Beginn nie gedacht, wie verrückt diese Reise sein kann. Ich hätte nie gedacht, was für eine Achterbahn ich schon betrete, bevor ich auch nur eine offizielle Unterschrift gesetzt, bevor ich den ersten Euro investiert habe.

Ein Demokratiecafé ist kein Stadtteilcafé

Mein Mitgründer Aaron und ich, Charlotte, wollen ein Demokratiecafé eröffnen; ein richtiges Café, in dem ihr Kaffee, Kuchen und am Abend mal eine Weinschorle bekommt, in dem es aber auch um Politik geht. Wir wollen einen sympathischen Ort schaffen, an dem sich Menschen gerne mit Politik beschäftigen, an dem es ihnen leicht gemacht wird, sich zu informieren und vielleicht sogar in Aktion zu treten.

Dabei wollen wir nicht ,nur‘ ein Café mit Programm sein und auch kein Stadtteilcafé, die Öffentlichkeit soll mehr sein. Aaron und ich studieren Philosophie und forschen zu Demokratie und Gesellschaft. Uns ist wichtig, dass das, was wir tun, wissenschaftlich fundiert ist. Deshalb arbeiten wir auch mit einem Forschungsprogramm zusammen, das sich explizit mit demokratischen Orten und sogenannten demokratischen Mikropraktiken beschäftigt. Das Demokratiecafé die Öffentlichkeit wird deshalb ein Modellprojekt. Wir versuchen dort unser Wissen aus der Forschung anzuwenden, wir wollen beobachten, welche Wirkung wir mit dem, was im Café passiert, erzielen und unser Konzept dann weiterentwickeln.

Ein Café mit Zweck

Wie ich schon angedeutet habe, ist es unser Ziel, dass sich mehr und mehr Menschen gerne mit Politik beschäftigen. Das ist der Zweck des Cafés, und deshalb wird jeder erwirtschaftete Cent diesem Zweck zukommen. Letztlich ist es aber immer noch ein Café, das Geld einnehmen muss, um zu laufen und vor allem zu Beginn Geld braucht, um aufgebaut zu werden. Und hier treffen zwei unterschiedliche Welten aufeinander – die Welt der Wirtschaft und die Welt des sozial-gesellschaftlichen Engagements und Handelns.

Es gibt immer mehr Institutionen und Unternehmen, die das wirtschaftliche Handeln und das Handeln für den guten Zweck miteinander vereinen. Doch nach wie vor besteht gerade die Gründer*innenszene aus vielen Personen, die es suspekt finden, wenn ein wirtschaftlich handelndes Unternehmen keinen klassischen Profit machen möchte. Wenn der Mehrwert eines Unternehmens zum Beispiel Bildung, Gemeinschaft, Teilhabe usw. ist, dann gehört diese Unternehmung für einige immer noch in einen anderen Sektor als Unternehmen, die Geld verdienen.

Der Stand: mitten in der Gründung

Ich denke, das ist ein Grund, warum wir mit unserem Projekt in der Gründer*innenszene so extrem konträre Reaktionen hervorrufen. Da sind auf der einen Seite Menschen, die persönlich von der Idee angetan sind, die unsere Werte teilen und die Art und Weise, wie wir uns gesellschaftlich beteiligen wollen, innovativ finden. Und da sind auf der anderen Seite Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass unser Geschäftsmodell Erfolg bringt, so wie sie Erfolg verstehen.

Der Stand unserer Gründung ist, dass wir nach wie vor an unserem Businessplan feilen. Wir werden von unserer Uni durch Beratung und Vernetzung sehr gut unterstützt und wir haben in allen wichtigen Bereichen der Unternehmensgründung ,Eisen im Feuer‘. Die Türen des Demokratiecafés sollen in genau einem Jahr, im April 2022 öffnen. Bis dahin ist noch viel zu tun und vor allem viel zu erzählen.

Bleibt dran – im nächsten Newsletter geht es um unsere Motivation für die Öffentlichkeit.

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